Segeln in Zeiten von Corona (Passepartout 2020)

Nach dem Corona-bedingt späten Start der Segelsaison in diesem Jahr ging’s zum ersten Mal mit unserem neuen Boot von Berlin aus los. Vorher waren noch einige Dinge zu erledigen. Wanten und Stage wurden erneuert, um den Schutz der Kaskoversicherung für das Rigg zu erhalten. Der Motor wurde einer Wartung, die Gasanlage einer Prüfung unterzogen.  Die Schläuche mussten turnusgemäß ausgetauscht und die Dichtigkeit der Anlage getestet werden. Dafür gab’s dann die blaue Bescheinigung. Zuletzt wurden noch neue Stützen für die Mastlagerung in Auftrag gegeben und auch rechtzeitig geliefert.
Der Beginn des Törns lief standardmäßig mit Stopps in Marienwerder und Gartz. Marienwerder hat sich durch die gute Bewirtschaftung des Restaurants, artTisch, zu einem Hotspot entwickelt. Zum kühlen Bier gab’s noch leckeres Kesselgulasch, obwohl die Küche bereits geschlossen war. Auch Gartz hat sich gut entwickelt. In den Pommerstuben gibt’s vielfältige Gerichte mit frischem Fisch. Aber leider findet die Stadt dort keinen festen Betreiber für die Stege und die sanitären Anlagen.
Der Mast wurde wieder beim AZS in Stettin gestellt. Wegen der neuen Mastlagerung war das diesmal nicht einfach. Da müssen wir uns noch etwas einfallen lassen. Mit Unterstützung des sehr erfahrenen Hafenmeisters des AZS hatten wir alles im Griff.
Eigentlich hatten wir uns für dieses Jahr wieder mal Schweden als Ziel vorgenommen. Die Törnplanung war Corona-bedingt etwas schwierig. Für Schwedenrückkehrer galt eine vierzehntägige Quarantäne oder ein aktueller negativer Coronatest als Bedingung. Schweden als Ziel war also tabu. Die Vorbereitung für Dänemark war da etwas einfacher. Bundesbürger können in Dänemark mit vorheriger Buchung problemlos einreisen. Wir hatten uns vorsorglich zweimal für unterschiedliche Routen angemeldet und eine Bestätigung erhalten. Eine Route ging dabei rund Bornholm.
Die Windprognosen für Bornholm sahen nicht sehr gut aus. Wind aus NW und dann für die zweite Wochenhälfte 8 bis 9 Bft aus W bis NW. Da liegt man in Rønne sehr unruhig. Wir entschlossen uns daher erst einmal in den Boddengewässern zu bleiben. Die zweite Route über Klintholm Richtung Kopenhagen kam bei der aktuellen Wetterlage ohnehin nicht in Frage.
Am ersten Tag konnten wir bei W um 4 bis 5 Bft den größten Teil der Oder bis Ziegenort segeln. Der böige Wind gab uns Gelegenheit zu Manövern: Ein- und Ausreffen des Großsegels und der Genua. Es gab einmal mehr Probleme mit der Rollreffanlage. Wir müssen die Führung der Reffleine überprüfen und ggf. ändern. Am nächsten Tag wieder 4 bis 5 Bft aus West. Das hieß Kreuzen im Stettiner Haff bei unangenehmem Seegang. Der Wind drehte dazu ständig und war wieder sehr böig. Wir hatten uns eigentlich vorgenommen Richtung Peenestrom zu segeln, entschieden uns dann aber doch für Swinemünde.
Für Donnerstag wurde Schwachwind aus wechselnden Richtungen angesagt, dazu nachmittags Dauerregen. Da macht Segeln keinen Spaß. Wir entschieden uns zu einem Hafentag in Swinemünde.
Die Wetterprognose für die nächsten zehn Tage sagte eine stabile Westlage voraus. Ein Tief nach dem anderen mit Starkwind sollte durchziehen, jeweils unterbrochen durch ein bis zwei Tage Schwachwind aus wechselnden Richtungen. Wir entschieden uns daher endgültig in Deutschland zu bleiben. Es gibt auch hier neue Häfen zu erkunden, und andere Häfen haben wir schon länger nicht besucht. Außerdem ergibt sich so die Gelegenheit zu Erkundungstouren in der Umgebung der Häfen mit den neuen Bordfahrrädern, die wir uns noch kurz vor Abreise beschafft hatten.
Um in eine bessere Ausgangposition für einen Törn rund Rügen zu kommen, fuhren wir am Freitag größtenteils unter Motor bei zunächst schwachem Wind von Swinemünde durch Kaiserfahrt, kleines Haff und Peenestrom nach Kröslin. Nach kurzem Stop in Rankwitz konnten wir anschließend bei lebhaftem Wind aus Süd die Genua setzen, die wir dann aber schon in Höhe des Achterwassers wieder bergen mussten. Eine Gewitterfront mit Sturmböen und heftigem Regen zog über uns hinweg. Für kurze Zeit waren selbst die nahen Fahrwassertonnen nicht mehr zu sehen. Der Wind kam danach mit 5 bis 6 Bft aus WNW.
Beim Warten auf die Brückenöffnung in Wolgast fiel uns im Stadhafen eine Najad mit Namen- Peer Gynt- auf. Auch Ramsi und Karin haderten mit dem Wetter und wollten am nächsten Tag nach Lauterbach.
Kurz nach 19:00 machten wir nach unserem zwölfstündigen Trip in Kröslin fest. Hier wollten wir die nächsten beiden Starkwindtage abwarten. Eine gute Gelegenheit, erstmals die neu erstandenen Bordfahrräder aus der Backskiste zu holen.
Am Montag ging’s weiter nach Lohme, durch Peenestrom und Knaakrückenrinne zunächst unter Motor, mit etwas Unterstützung durch das Großsegel. Am Fahrwasser durch das Landtief wurde die Genua gesetzt und es ging bei W 4 bis 5 mit zügiger Fahrt auf einem Kurs hoch am Wind bis zum Königstuhl. Die Kreuz um die Ecke bis Lohme war dann aber noch recht mühsam. Es war aber alles in allem der erste richtig schöne Segeltag, wegen Außentemperatur, Wind und Kurs dick eingepackt in Ölzeug.
Lohme gefällt uns im Gegensatz zu vielen anderen Seglern immer noch sehr gut. Die ‚berüchtigten‘ Faulgase waren kaum zu erahnen. Und der grandiose Ausblick auf das Kap Arkona von der Klippe von Lohme ist immer wieder phänomenal. Die lange Holztreppe, von der aus man beim Abstieg den Blick lange genießen konnte, wurde aber leider abgebaut und durch eine Rampe ersetzt.
Eine kleine Anekdote am Rande: Wir sind in den letzten 20 Jahren häufig von Lohme aus nach Schweden aufgebrochen oder dorthin von Schweden zurückgekehrt. Auf die Frage, wie denn mit Rückkehrern aus Schweden umgegangen werde, kam vom Hafenmeister die Antwort: „So was gibt’s bei uns in Lohme nicht. Die Corona verfliegt über der See.“
Der nächste Segeltag war dann fast noch schöner. Bei S 3 bis 4 ging’s zunächst um’s Kap Arkona und dann entlang der Nordküste von Rügen zur Nordansteuerung des Fahrwassers nach Hiddensee. Etwa eine Seemeile davor schlief der Wind ein. Das haben wir dort schon häufiger erlebt. Bereits kurz nach Mittag waren wir im Yachthafen Langeort in Vitte fest.
Am Kap Arkona kreuzte sich unser Kurs mit dem der Scampi von Helga uns Hans. Die starteten eine Stunde vor uns in Glowe nach Klintholm. Wir konnten ihr Boot aber auf zwei bis drei Seemeilen Entfernung an dem bunten Blister erahnen.

Hallo liebe Segelfreunde – Helga und Hans wieder auf der Ostsee!

Nachdem wir in diesem Jahr auch auf heimischem Revier den Wind reichlich genutzt haben, zieht es uns wieder hinaus.

Mit zusammen 150 Lebensjahren starten wir in unsere 16. gemeinsame Seereise.

Wir sind immer noch segelbegeistert, obwohl die Abläufe schon langsamer werden. Man sucht und verliert und findet wieder. Alles dauert länger.

Am Montag, den 22. 06.2020 sind wir gestartet und wegen der verkürzten Arbeitszeit am Hebewerk Niederfinow bis Marienwerder gefahren. Unterwegs war sehr wenig Verkehr und entspanntes Fahren.

Übers Haff gab es wenig Wind. Booster und Groß plus Maschine haben einen leichten Fahrtwind erzeugt. Im Cockpit war es bis 44 Grad heiß. Kurz vor der Zecheriner Brücke kam dann der Wind – leider von vorne. Das folgende Gewitter haben wir bis zum Hafen Rankwitz mitgeschleppt und konnten gerade noch im Trockenen festmachen.

Bis bald

VG Helga und Hans.

Werner und Michael: Unterwegs auf der Ostsee nach Helsinki

Wir sind mit dem Motorboot -Broadsword- unterwegs, das ist ein 58 Fuß Long-Range-Cruiser mit einer 90 PS Maschine und ökonomischem Verbrauch von unter einem Liter Diesel pro nm. Wir sind am letzten Sonntag, den 14.06.20, in Heikendorf los und nur bis Gedser wegen Wind gegenan und entsprechender Welle gekommen, am Montag dann bis Rönne auf Bornholm. Am Dienstag dafür früh abgefahren und am Mittwoch gegen 19:30 Ortszeit (UTC+3) in einem Rutsch in Kuressaare auf Saaremaa in Estland angelegt. Da wir nur zu zweit sind, war das eine schöne Tour, aber das Wetter spielte mit, nur nachts gab es etwas Nebel. Jedoch mit AIS und Radar und wenig Verkehr war das kein Problem. Danach waren wir rechtschaffend müde und hauten uns hin.

Unser Ziel bis Montag ist Helsinki zur Mitsommernacht… Von dort fliege ich (Michael) dann auch schon wieder heim.

Fischer-Plastik in Kuressaare (Foto: Michael Plage)

Coronaprobleme gab es bisher eher nicht, nur merkwürdige Regelungen:

In Dänemark muss man sechs Tage bleiben (!) und hier in Estland war die Polizei bei uns und fragte, ob wir den Virus hätten…

Schweden sollte man eher meiden, auf uns Deutsche sind die insgesamt nicht so gut zu sprechen, es fährt aber jeden Tag von Bornholm eine Fähre nach Ystad…

 

Jubiläums-Sommerfest 125 Jahre YCM am 24.08.2019

Das Jahr 2019 war ein ganz besonderes Jahr für den YCM. Der Verein wurde 125 Jahre alt und konnte auf ein Vierteljahrhundert wechselvoller Segel- und Vereinsgeschichte zurückblicken. Wenn das kein Grund zum Feiern war, was dann?

Nun liegt unserer Gründungsdatum leider außerhalb der Segelsaison im unwirtlichen Monat November. In dem werden Gedenktage begangen und Reformationstag oder Halloween gefeiert, aber kein Geburtstag eines Segelvereins! Zu diesem Schluss kam auch unser Vorstand und legte kurzerhand fest, dass das traditionelle Sommerfest des YCM im August in diesem Jahr als Jubiläumsfest für Mitglieder und ihre Gäste ausgerichtet und für die „Offiziellen“ Unterstützer aus Politik, Verwaltung, Verbänden und Institutionen sowie den befreundeten Segelvereinen des YCM ein Empfang im September gegeben wird. „Jubiläums-Sommerfest 125 Jahre YCM am 24.08.2019“ weiterlesen